Konzept

Rahmenkonzept: Kickerliga für Menschen mit Behinderungen

  1. Projektbeschreibung & Motivation

Tischfußball ist eine noch recht junge Sportart. Bei den Überlegungen, wie man den Sport mehr Menschen zugänglich machen kann, sind auch Integration von Flüchtlingen, Jugendarbeit und Zugang für Menschen mit Behinderungen wichtige Aspekte. Gerade für Menschen mit Behinderungen gibt es etliche Hürden, um in vollem Umfang am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Auch beim Tischfußballsport sind Barrieren zu erkennen. Aus der Fragestellung, wie sich einige dieser Barrieren umgehen und abbauen ließen und dem erkennbaren Interesse an einem Kickerangebot für Menschen mit Behinderungen untereinander, entstand die Idee einer eigenen Liga.

Im Oktober 2018 startet die Xtra-Liga Hamburg.

Diese Xtra-Liga ist angelehnt an die etablierte, leistungsorientierte Hamburger Kickerliga und nutzt bereits Vorhandenes, wie z.B. das Liga-Tool (Internetseite der Kickerliga), den Spielplan, die vereinfachten Regeln, die Ligastrukturen und die Mitgliedschaften zum DTFB und TFVHH (Deutscher Tischfußballbund und Tischfußballverband Hamburg e.V.).

Die Abgrenzung zur leistungsorientierten Kickerliga erlaubt es, Anpassungen auf die unterschiedlichen Bedarfe einzuführen und fortlaufend weiterzuentwickeln.

So wird durch einen eigenen Modus mit nur 4 Sammelspieltagen in einer Saison  erreicht, dass der notwendige Betreuungs- und Organisationsaufwand in einem  geringen Rahmen bleibt. Die vereinfachten Regeln werden weiter angepasst, auch um einen leichteren Zugang zu ermöglichen und um mehr Gewichtung auf Spaß und Miteinander zu legen.

Die Saison 2018/2019 soll der Startschuss sein, um ein gutes zusätzliches Angebot für Menschen mit Behinderungen zu etablieren. Dafür hat sich eine Gruppe aus Freiwilligen zusammengefunden, hauptsächlich aus der Tischfußballabteilung des FC St. Pauli. Diese Gruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, die erste Saison zu organisieren und lädt Interessierte sowie Betreuungseinrichtungen dazu ein,  sich aktiv an der Organisation, der Gestaltung und der Entwicklung der Xtra-Liga zu beteiligen.

So können etliche Hürden zum Starten eines solchen Projekts, wie z.B. Projektanträge, Finanzierungs- und Organisationsfragen umgangen werden und es gibt ein fertiges Angebot, begleitet  durch erfahrene Kickerspieler*innen, welches einen einfachen Zugang bietet und leicht weiterentwickelt werden kann.

  1. Rahmenbedingungen

Um den organisatorischen Aufwand in einem angemessenen Rahmen zu halten, sollen die Begegnungen der Xtra-Liga an vier Sammelspieltagen (jeweils an einem Samstag) ausgetragen werden.

 

2.1 Räumlichkeiten

Die Räumlichkeiten für die Sammelspieltage  sind alle  rollstuhlgerecht ausgestattet (Zugang und Toiletten sind barrierefrei). Es gibt ausreichend Platz für genügend Tische, sowie für Zuschauer*innen und die Teilnehmer*innen, auch um zwischen den Spielen zu pausieren. Ein Kiosk oder eine Bar sind vorhanden und können für die Bereitstellung von Verpflegung genutzt werden. Ausreichend Parkplätze sind fußläufig erreichbar vorhanden.

 

2.2 Personalbedarf

Für die Betreuung der Teams vor Ort an den Sammelspieltagen sind die jeweiligen Betreuer*innen der Einrichtungen zuständig. Die Spielergebnisse werden von ihnen an die Ligaleitung vermittelt.

Auch der Transfer zum Spielort, sowie die optionalen internen Trainingsangebote und weiterführenden teambildenden Maßnahmen, wie auch die Frage eines möglichen Teamtrikots, liegen ausschließlich in der Verantwortlichkeit der jeweiligen Betreuer*innen bzw. der Träger.

Die Tischfußballabteilung des FC St. Pauli übernimmt in dieser ersten Saison die Organisation der Spieltage mit Bereitstellung der Kickertische, Vorbereitung der Räumlichkeiten, Ansprechpartner*innen vor Ort und Bereitstellung von  Verpflegung zu geringen Preisen.

Es wird eine Ligaleitung installiert für diese Xtra-Liga, die auch zwischen den Spieltagen per Mail und zu verabredeten Sprechzeiten für Fragen zur Verfügung steht. Die Anmeldungen zu Beginn der Saison sowie das Melden der Spielergebnisse laufen auch über diese Ligaleitung.

 2.3 Finanzieller Bedarf und sachliche Mittel

Die benötigten Tische für die Sammelspieltage werden von der Tischfußballabteilung des FC St. Pauli zur Verfügung gestellt. Für etwaige Verpflegung vor Ort wird an den Sammelspieltagen um eine angemessene Spende gebeten, um hierbei die Kosten zu decken.

Für die  freiwillig en Helfer*innen entstehen keine zusätzlichen Kosten.

Der Hamburger Kickerverband (TFVHH) verzichtet, ebenso wie der DTFB, auf die jährliche Gebühr zur Teilnahme an einer Liga.

2.4 Zeitlicher Umfang

In der Saison sollen vier Sammelspieltage stattfinden. Pro Spieltag werden je Team zwei bis drei Spiele ausgetragen, wobei ein Spiel etwa zwei Stunden dauert.  Die Saison beginnt im Oktober und endet spätestens im August des darauffolgenden Jahres.

Die Sammelspieltage sind angesetzt von 13 Uhr bis voraussichtlich 19 Uhr.

  1. Regeln

Gespielt wird nach dem vereinfachten Regelwerk des DTFB.

Es wird der Modus der Hamburger Kickerliga gespielt, nach dem 4 Doppel, 6 Einzel und 2 Goalies (Abwehr vs. Abwehr) gespielt werden. Ein Satz geht bis  6, bei 5:5 ist unentschieden. Ein gewonnener Satz zählt 2 Punkte, für ein Unentschieden gibt es für beide Teams einen Punkt.  Es werden 32 Punkte ausgespielt in einer Begegnung, bei 16:16 gibt es jeweils einen Tabellenpunkt für die Teams, ab 17 Punkten erhält das gewinnende Team 2 Tabellenpunkte.

Der erste Ball eines Spiels wird durch Münzwurf ausgelost. Der jeweils erste Ball wird auf die 5er-Reihe gelegt. Bevor der Ball gespielt wird, wird gefragt ob die Gegner*innen bereit sind. Erst dann darf gestartet werden. Das Team, welches das letzte Gegentor bekommen hat, erhält das Auflagerecht. Ist ein Ball nicht mehr von den Puppen zu erreichen, wird er in die Verteidigung des Teams gegeben, auf dessen Seite sich der Ball befindet. Vor und nach jedem Spiel geben die Spieler*innen sich die Hand. Abwertende Äußerungen gegenüber den Gegner*innen sind verboten. Kurbeln (also  das Durchdrehen der Puppen) ist erlaubt. Ein Spiel mit Beteiligung eines Menschen im Rollstuhl wird automatisch an einem der rollstuhlgerechten Kickertische ausgetragen.

  1. Ziele

Durch die Teilnahme an der Kickerliga in einem festen Team soll eine Stärkung des Selbstbewusstseins der Teilnehmer*innen erreicht werden. Dies geschieht durch die Möglichkeit, im Spiel die eigenen Fähigkeiten wahrzunehmen und durch kontinuierliches Training und den Wettkampf zu verbessern. Besonders im Wettkampf mit anderen Teams geht es außerdem darum, mit Erfolg und Misserfolg umgehen zu lernen und Spannungs- und Drucksituationen aushalten zu können. Für viele Menschen mit Behinderungen stellen Niederlagen ein großes Frustrationspotential dar. In der Kickerliga soll daher ein besonderes Augenmerk darauf gelegt werden, die persönlichen, individuellen Fortschritte anzuerkennen und durch die gemeinsame Zeit und z.B. gegenseitiges Anfeuern den Teamgeist zu stärken. Durch das aktive Spielen werden die Teilnehmer*innen zusätzlich befähigt, selbstständig und spontan Entscheidungen zu treffen und diese auch zu vertreten. Ein weiteres Ziel ist es, durch das gelebte Fairplay soziale Kompetenzen zu fördern, indem gelernt wird, wie Konflikte auf verbaler Ebene zu lösen sind.

Darüber hinaus fördert die Teilnahme an der Kickerliga sowohl das Zugehörigkeitsgefühl zum eigenen Team als auch die Kontaktaufnahme zu anderen Teilnehmenden, wodurch Stadtteil- und auch trägerübergreifend neue, private Kontakte geknüpft werden können.

Als langfristiges Ziel soll mit der Xtra-Liga ein Angebot etabliert werden, welches den speziellen Anforderungen der Teilnehmer*innen entspricht, einen leichten Zugang ermöglicht und eine Flexibilität erlaubt, sich im Laufe der folgenden Jahre, den verschiedenen Bedürfnissen entsprechend,  weiter zu entwickeln.

Alles, was in dieser Liga weiterhin entwickelt wird, kann als Vorbildcharakter dienen, auch bundesweit ähnliche Projekte aufzubauen und den Kickersport mehr Menschen zugänglich zu machen.

Das Konzept kann hier heruntergleaden werden: Konzept